Wichtige Informationen zur Haltung der Landschildkröte

 

Europaeische Landschildkroeten   

  Sie sehen so robust aus. Doch in der harten Schale steckt ein empfindlicher Kern. Ihre Schwachstelle ist die Verdauung. Das falsche Futter kann den Panzerträgern aus der Vorzeit zum Verhängnis werden.

  Rund 80% aller Landschildkröten, die Privat gehalten werden, erreichen ihr drittes Lebensjahr nicht. Der Reptilienfacharzt Markus Baur von der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität München sieht die größten Probleme bei der Fütterung. Da gibt es gefährliche

Gesundes-Tier

Zu viel Vitamin A führt zu schweren Hautent- zündungen, die sogar Ablösungen der Haut zur Folge haben können.

Schildkrötenherde

Schildkrötenherde

Missverständnisse.

  Nur mit dem Besten wollen wohlgemeinte Besitzer ihre Tiere versorgen und geben ihnen, was den Panzerträgern offensichtlich am besten schmeckt:  tropische süße Früchte, Hunde und Katzenfutter, Eier, Milchprodukte und sogar Speisereste. Und die Landschildkröten stürzen sich auf die Leckereien mit großem Appetit.

  Derart verwöhnt, lehnen die Tiere anderes, gesünderes Futter bald ab. Aus Furcht die Tiere könnten verhungern bieten die Besitzer den Tieren nun täglich das ungeeignete Futter an, und damit beginnt der langsame Tod der Panzerträger. Die europäischen Landschildkröten sind hoch spezialisierte Vegetarier, die in ihrem natürlichen Lebensräumen sogar bereits verholzende Pflanzen fressen. Diese Pflanzen enthalten sehr viele Ballaststoffe (Rohfasern), und die sind der Schlüssel zu einer artgerechten Ernährung der Landschildkröten.

  Ballaststoff- bzw. rohfaserreiche Pflanzen sind hart und faserig. Weidet die Schildkröte diese widerspenstigen Pflanzen ab, erfüllen diese bereits ihre erste Aufgabe: Bei jedem Biss „schmirgeln“ und „feilen“ sie den Hornschnabel der Schildkröte in die richtige  Form. Fehlt dem Schnabel dieser Widerstand, wächst er ungebremst weiter und behindert die Schildkröte beim Fressen. Dieser Überschnabel muss dann vom Tierarzt abgefeilt werden.

Im Darm bewirken die Ballaststoffe. Dass der Speisebrei gründlich durchgearbeitet wird. Das hält den Dar, fit und fördert die Ausscheidungen von Parasiten (Würmer und Einzeller). Auch aus einem anderem Grund mögen die Parasiten die rohfaserreiche Nahrung nicht. Sie  ist ihnen zu nährstoffarm. Erhält die Schildkröte vor allem leicht verdauliche Kost, wie zum Beispiel zuckerreiches Obst, vermehren sich die Schmarotzer explosionsartig. Schwere Mangelerkrankungen und Durchfall sind die Folge.

Einer dieser Parasiten, der Einzeller Hesamita parva, lebt auch im Darm der gesunden Schildkröte. Erst durch die falsche Fütterung oder Haltung wird er zum Krankheitserreger. Er wandert dann in die Nieren und löst dort eine Nierenentzündung aus. Es gibt zwar Medikamente, mit denen die Parasiten bekämpft werden können. Aber diese haben zum Teil, erhebliche Nebenwirkungen. Insbesondere können sie die Leber schädigen.

Rohfaserreiche Nahrung verhindert auch, dass die Landschildkröte zu viele Kalorien aufnehmen -leicht verdauliche, nährstoffreiche Kost hingegen lässt die Tiere so schnell wachsen. dass der Körper nicht genügend Zeit hat Mineralien in die Knochen und den Panzer einzulagern.  Sowohl Panzer als auch Skelett bleiben weich und verletzlich. Die Tiere könne sich oft nicht mehr normal fortbewegen, weil ihre Knochen ihr Gewicht nicht mehr tragen können.

Gefahr : Leberverfettung

Nährstoffreiche Kost führt außerdem zu einer Verfettung der Leber. Sie kann dann ihrer Aufgabe den Organismus zu entgiften nicht mehr nachkommen. Die Schildkröte leidet unter einer schleichenden Selbstvergiftung, die vor allem in der Winterruhe zum Problem wird.

Nicht zu jung und zart

  Um die Tiere mit Rohfaser  zu versorgen, sollte immer kräuterreiches Heu zur Verfügung stehen. Statt zarter Salatherzen gibt man besser die älteren Außenblätter. Wiesenkräuter wie Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Hirtentäschel und Luzerne  sind sehr gut als Schildkrötenfutter geeignet. Auch hier gilt: ältere Pflanzen sind besser als junge. Denn sie enthalten nicht nur mehr Rohfaser, sie sind auch reicher an Mineralien, vor allem an Kalzium.

  Ein Mangel an Kalzium in Verbindung mit einem zu hohen Phosphorangebot führt zu einer Überreaktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathreoidismus). Sie schütten Hormone aus, die den Abbau von Knochen fördern. Die harte Knochensubstanz wird durch Bindegewebe ersetzt.

Vor allem der Panzer ist von dem Ab- und Umbau betroffen. Er verformt sich und bildet Höcker. Ähnlich

Verformter Panzer durch falsche Fütterung

wie beim zu schnellen Wachstum führt auch der Hyperparathyreoidismus zu einem weichen, nichtbelastbaren Skelett. Die Überreaktion der Nebenschilddrüsen kann übrigens auch von einer chronischen Nierenentzündung ausgelöst werden. Um einem Kalziummangel vorzubeugen, bietet man den Tieren fein zerstoßene Sepiaschale oder Muschelgrit an. Spinat, Tomaten und Sauerampfer sollten nur sparsam gefüttert werden. Sie enthalten nämlich den Kalziumräuber Oxalsäure.

  Ein Kardinalfehler bei der Fütterung ist die Überversorgung mit Proteinen (Eiweißen). Landschildkröten könne aus pflanzlicher Nahrung alle Eiweiße gewinnen, die sie brauchen. Zusätzliches tierisches Eiweiß nützt der Schildkröte nichts- es schadet ihr.

Denn Schildkröten bilden aus Eiweiß Harnsäure, ein Salz. Bei normalen Mengen an Eiweiß in der Nahrung ist das kein Problem, die Schildkröte scheidet die Harnsäure über die Nieren und die Kloake einfach aus. Sobald jedoch der Gehalt an Harnsäure ein gewisses Maß überschreitet, lagert sich das Salz  in den Nieren, im Herzbeutel und in den Gelenken ab. Dieses Krankheitsbild ist unter dem Namen Gicht bekannt. Bei Schildkröten führt sie unweigerlich zum Tode.

Der Panzer ist verletzbarer,          als    man denkt

Die Wunde ist die Folge eines Hundebisses.

 Markus Baur, der Reptilienspezialist  der Münchner Uni, kritisiert deshalb harsch, was im Zoohandel als Alleinfutter für Schildkröten angeboten wird. Es enthält in der Regel zu viel Eiweiß. Bei Freilanduntersuchungen wurde fest gestellt, das Schildkröten  unter natürlichen Bedingungen 1-5 % Eiweiß zu sich nehmen. In einigen Handelsüblichen Alleinfuttern sind jedoch sogar 43% Eiweiß enthalten, der Eiweißgehalt ist auch der Grund, warum Hunde- und Katzenfutter, Eier und Milchprodukte nichts auf dem Schildkröten- Speiseplan verloren haben.

Vitamine wollen dosiert sein

Ohne Vitamine geht es nicht. Vitamin D3 ist notwenig für die Knochenentwicklung. Schildkröten können es selbst bilden,  wenn sie genügend Sonne (UV- Strahlung) bekommen. Ideal ist daher ein Freigehege mit Plätzen an denen sich die Schildkröte sonnen kann. Die Haltung in der Wohnung ist nur möglich, wenn die Tiere in einem Terrarium leben, in dem ein UV- Strahler installiert ist, sonst leiden die Tiere bald unter Rachitis, einer Knochenerweichung.

Man kann zwar  Vitamin D3 Zufüttern, doch dabei gibt es Dosierungsprobleme. Zuviel Vitamin D3 führt nämlich zu Verkalkungen in Blutgefäßen und inneren Organen. Vitamin A sollte man der Vegetarierin Landschildkröte überhaupt nicht zusätzlich reichen. Sie gewinnt das Vitamin aus ihrer Nahrung. Ein Überschuss an Vitamin A führt zu schmierigen Hautentzündungen, bei denen sich die Haut ablösen kann. Die offenen Stellen werden von Bakterien besiedelt, die Krankheiten verursachen können.

Auch Vitamin E ist in der Regel reichlich in der Pflanzennahrung enthalten. Es schützt den Organismus vor Substanzen, die die Zellen angreifen und so zu Zellalterungen und - verschleiß führen. Von Vitamin E sind bislang keine Schädlichen Nebenwirkungen bekannt, was nicht heißt, das es sie nicht gibt.

Um Überdosierungen von Vitaminen zu vermeiden, sollte man Vitaminpräparate nur in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Tierarzt geben.

Genauso wichtig wie eine Gesunde Ernährung ist die Argerechte Haltung. Sonnenlicht, Wärme, genügend Raum, Sauberkeit, und nicht zu vergessen : die Einhaltung der Winterruhe brauchen die Tiere, um sich wohl zu fühlen.