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Schnurr, der Bahnhofskater

 

Es war erst fünf Uhr morgens. Wie immer um diese Zeit, machte Schnurr auch heute seinen Rundgang durch die Bahnhofsanlage. Den Schaffnern, Lockführern, Gleisarbeitern, Fahrkartenverkäuferinnen, der Frau im Zeitungsladen und im Würstchenladen, war er wohl bekannt. Schon seit 4 Jahren war der Bahnhof sein zu Hause. Jeder der Genannten hatte immer ein Freundliches Wort und eine Streicheleinheit für ihn.

Jede Woche war ein anderer dran, Futter und Milch zu besorgen. Jedes halbe Jahr brachte ihn, wer gerade Zeit hatte, zum Tierarzt. Heute, so versprach der Wetterbericht, würde es ein sonniger, warmer Tag werden. Ah, da fuhr ja der Zug mit dem Schaffner Joseph ein. Den mochte Schnurr am liebsten. Sofort rannte er zum Gleis 5, wo der Zug einfuhr. Als die Türen auf gingen, sprang Schnurr hinein und begrüßte Joseph und Kurt, den Lockführer freudig.

"Du sollst doch nicht in die Züge springen,“ sagte Kurt und lächelte. „Ach, lass ihn doch. Er freut sich halt uns zu sehen,“ meinte Joseph. Als wolle er sich entschuldigen, das er in den Zug gehopst war, sprang er an Kurt hoch. Dieser hielt ihn fest. „Ist ja gut. Schon verziehen“, sagte er. Joseph schaute den beiden versonnen zu. Er dachte daran, das er Schnurr immer am  liebsten mit nach Hause nehmen würde. Leider war das nicht möglich, denn seine vor 7 Jahren verstorbene Frau, hatte eine Katzenallergie, außerdem wollte er seinen Kollegen Schnurr nicht weg nehmen.

Jetzt stand er vor seiner Pensionierung und dachte mit Grauen daran, dass er dann sehr einsam sein würde. Natürlich konnte er jeden Tag zum Bahnhof kommen, aber Abends wäre er trotzdem einsam. „Na, Schnurr? Wie wäre es, wenn ich dich mit nach Hause nehmen würde?“ Entsetzt schaute Kurt ihn an. „Keine Angst, wir besuchen euch natürlich sooft es geht, Kurt.“ „Gut. Dann habe ich nichts dagegen und die Kollegen bestimmt auch nicht.“

Und so kam es, das Schnurr ein neues zu Hause beim pensioniertem Schaffner Joseph fand. Dieser besorgte Fress- und Trinknapf, einige Katzenspielzeuge,  ein Schlafkörbchen und eine Transportkiste, 3 mal die Woche steckte er Schnurr in die Transportkiste und sie besuchten den Bahnhof mit seinen vielen Angestellten. Diese freuten sich immer über die kleine Abwechslung. Auch Schnurr gefiel es immer, dort alle zu besuchen.

ENDE